Ci-Dichtung

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Ci-Dichtung (词) ist eine klassische chinesische Lyrikform, die ursprünglich an festgelegte Melodien gebunden war. Jeder Ci-Text folgt einem vorgegebenen metrischen und tonalen Muster (词牌 cipai), das Zeilenzahl, Silbenanzahl, Tonverlauf und Reimstruktur bestimmt. Der Text selbst ist variabel, die formale Matrix hingegen fixiert. Historisch entwickelte sich Ci aus der höfischen und urbanen Unterhaltungskultur der späten Tang- und Fünf-Dynastien-Zeit und erreichte in der Song-Dynastie ihren literarischen Höhepunkt. Inhaltlich reicht Ci von Liebes- und Naturmotiven über Erinnerung, Verlust und Klage bis hin zu politisch-existenziellen Reflexionen.

Im Unterschied zur streng regulierten Shi-Dichtung erlaubt Ci größere emotionale Flexibilität, ungleichmäßige Verslängen und eine stärkere Nähe zu Musik und Gesang. In der späteren Literaturgeschichte wurde Ci zunehmend vom musikalischen Vortrag gelöst und als autonome Schriftlyrik rezipiert.

In der Forschung gilt die Ci-Dichtung als eine der zentralen Formen der subjektiven chinesischen Lyrik, in der sich persönliche Erfahrung, historische Umbrüche und formale Raffinesse besonders dicht verbinden.