Anhang ausgesuchter deutscher poeten

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[Julius Wilhelm Zincgref, Einleitung]

Folgt der Anhange Vnderschiedlicher außgesuchter Getichten anderer mehr teutschen Poeten:

WElchen ich dir/ lieber Teutscher/ wie die Freygebige Verkeuffer/ gleichsam als ein zugabe/ mitgebe/ zu einem Muster vnnd Fürbilde/ wornach du dich in deiner Teutschen Poeterei hinfüro etlicher massen zu regulieren. Darinnen dir zuvorderst auch Scaliger, sampt anderen/ die von der Poeterei kunst gelehret/ vnd noch ins kunfftig schreiben möchten/ wie nicht weniger vnsers Opitij ob eingeführter Aristarchus, vnd dann so wohl Joh. Claij von Hertzberg/ als auch Joh. Engerdi Poet. Laur. Anno 1583. zu Ingollstat getruckte Teutsche Prosody (die ich zwar/ wie sehr ich auch darnach getrachtet/ noch nie zu gesicht bekommen) dienen mögen. Ich solte dir auch etwaß auß Ernstens Schwaben von der Heide/ zu Franckfort an der Oder außgangenen Teutschen Poesien/ mittheilen/ so hab ich sie aber ebenmässig selbst noch nicht gesehen. Andere mehr artige/ gleichsam versteckte/ oder gar Braach liegende ingenia, wollen sich/ vielleicht auß scham/ oder vnnötiger Forcht/ nicht herfür thun. Johan Fischers/ genant Mentzers/ Poemata/ soviel mir deren vorkommen/ sein zu weitleuffig/ hierein zubringen/ auch mehrtheils nach der alten Welt. Doch wehre sein glückhafftes Schiff von Zürich/ an Reichthumb Poetischer Geister/ artiger Einfäll/ schöner wort/ vnd merckwürdiger sprüchen (auß welchen stücken abzunehmen/ was statliches dieser mann hette leisten können/ wan er den fleiß mit der Natur vermehlen/ vnd nit vielmehr sich an dem/ wie es jhm einfeltig auß der Feder geflossen/ hette benügen wollen) gar wohl der Römischen/ Grichischen/ Italiänischen vnd Frantzösischen Poesy an die seiten/ wo nicht vorzusetzen/ wann jhm nicht/ wie angedeut/ noch etwas weniges fehlete/ welchen Mangel ich jedoch mehr der vnachtsamen gewohnheit seiner zeiten/ als jhme selbsten zusch[r]eibe/ vnd möchte er mit gutem fug sagen:

Ich hab das mein gethan/ so vil mir Gott beschert:
Ein ander thue das sein/ so wirdt die Kunst gemehrt.


Aus: Martin Opitz: Teutsche Pöemata und: Aristarchvs Wieder die verachtung Teutscher Sprach. Item Verteutschung Danielis Heinsij Lobgesangs Iesu Christi, vnd Hymni in Bachum. Sampt einem anhang Mehr auserleßener geticht anderer Teutscher Pöeten. Der gleichen in dieser Sprach Hiebeuor nicht auß kommen. Straßburg, 1624, S. 161


Julius Wilhelm Zingcraf gab 1624 Opitz' frühe Schriften heraus und fügte andere Beispiele der neuen deutschen Dichtart gleichsam als "freigebiger Verkäufer" hinzu. Opitz war nicht besonders entzückt, aber die Sache – die Texte und die neue Dichtung selbst – war in der Welt.

Hier die von Zincgref aufgeführten Namen:

  • Julius Caesar Scaliger (italienisch Giulio Cesare Scaligero; * 23. April 1484 in Riva del Garda; † 21. Oktober 1558 in Agen, heute Département Lot-et-Garonne), italienischer Humanist. Auf seine postum erschienene Poetik berief sich Opitz. Luc Deitz, Gregor Vogt-Spira (Hrsg.): Iulius Caesar Scaliger: Poetices libri septem. Sieben Bücher über die Dichtkunst. 6 Bände. Frommann-Holzboog, Stuttgart 1994–2011.
  • Martin Opitz (1597-1639). Sein Aristarchus forderte auf Latein eine neudeutsche Dichtung, als diese Schrift und vor allem das "Buch von der Deutschen Poeterey" 1624 erschien, veränderte es quasi über Nacht die deutsche Literatur.
  • Johannes Clajus (1535 Herzberg – 1592 Bendeleben), evangelischer Theologe, schrieb auf Latein eine deutsche Grammatik (die auch eine Verslehre einschloß), 1584.
  • Johann Engard schrieb die erste deutsche Prosodie, Ingolstadt 1583. Nicht nur Zincgref hat sie nie gesehen, aber nennen hören
  • Ernst Schwabe von der Heyde (Danzig ca. 1598 – Frankfurt/Oder 1626 - hingerichtet). Opitz veröffentlicht im Aristarchus einige seiner Gedichte, sein Werk ist ansonsten verschwunden.
  • Johann Baptist Friedrich Fischart, genannt Mentzer, „Mainzer“, * 1546 oder 1547 in Straßburg; † 1591 in Forbach. Das Glückhafft Schiff von Zürich, 1576/77.