Lieder aus China (Böhm): Unterschied zwischen den Versionen

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Hans Böhm: Lieder aus China. Nachdichtungen chinesischer Lyrik. Mit 17 Zeichnungen von Rudolf Grossmann. München: Callwey, 1929


Hans Böhm: Lieder aus China. Nachdichtungen chinesischer Lyrik Mit siebzehn Zeichnungen von Rudolf Großmann. Verlegt bei Georg D. W. Callwey. München MCMXXIX


auch
https://www.projekt-gutenberg.org/boehm/liedchin/liedchin.html




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Hans Böhm: Lieder aus China. Nachdichtungen chinesischer Lyrik Mit siebzehn Zeichnungen von Rudolf Großmann. Verlegt bei Georg D. W. Callwey. München MCMXXIX



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Version vom 31. Dezember 2025, 18:35 Uhr




Hans Böhm: Lieder aus China. Nachdichtungen chinesischer Lyrik Mit siebzehn Zeichnungen von Rudolf Großmann. Verlegt bei Georg D. W. Callwey. München MCMXXIX

auch https://www.projekt-gutenberg.org/boehm/liedchin/liedchin.html




Autoren

  • Schiking u.a. Sammlungen
  • Cho Wên-chün, Cho Wen-chün, 120 v. Chr., († um 120 v. Chr.) → Zhuo Wenjun 卓文君
  • Chi Kang, 223-262 → Ji Kang 嵇康
  • Tsang Chih, 6. Jahrhundert → Zang Zhi 臧質
  • Wu-ti, 6. Jahrhundert (Kaiser Wu-di, = Liang Wudi??) → Wu Di 武帝 (Titel; genaue Identifikation unsicher)
  • Wang Po, † 618 (649–676) → Wang Bo 王勃
  • Song Chi Wen, † 700 (ca. 656–712) → Song Zhiwen 宋之問
  • Wang Wei, 699-759 → Wang Wei 王維
  • Li Tai-Po (701–762) → Li Bai 李白
  • Tao Han, 713-742 → Tao Han 陶翰
  • Po Chü-i (Schriftstellername Lo Tien »der sich am Himmel freut«) 772-846 → Bai Juyi 白居易
  • Yüan Chên, Yuan Chen (Po Chü-i's Freund), 779-831 → Yuan Zhen 元稹
  • Tsao Sung, blühte um 870-920 → Cao Song 曹松
  • Wang An-shih, 11. Jahrhundert (1021–1086) → Wang Anshi 王安石
  • Su Tung-po (Su Shi, 蘇軾 1036-1101)
  • Chan Tiu Lin, 16. Jahrhundert → Zhan Qiulin 詹秋林 (Identifikation unsicher)
  • Unbekannte Autoren



Das Nachwort

Die kleine Auswahl chinesischer Lyrik, die ich hier vorlege, bringt Proben aus mehr als zwei Jahrtausenden einer nie abgebrochenen Kulturentwicklung, von der Frühstufe strenger Bindung, als deren grausig großes Sinnbild die Selbstopferung des Gefolges nach dem Tode seines Herrn erscheint, bis zum lockeren überreifen Rokoko des »Weidenblattes«. Den größten Raum nehmen, wie billig, die Dichter der klassischen Tang-Zeit ein (618-905), von denen Li Tai Po in Europa am bekanntesten geworden ist: ein Getriebener, der, außerhalb der Gesellschaft stehend, das Grauen der Vergänglichkeit mit Wein und Liebe betäuben will; in vielem sein Gegenteil ist Po Chü-i, hoher Beamter und charaktervoller Staatsmann, die Gottheit des Ewigen Wandels gelassen verehrend und eben darum fähig, die Schönheit des Unscheinbaren, Alltäglichen und Schlichten in Stoff und Ausdruck zu entdecken – groß als Künstler, bezwingend als Mensch.

Im kleinen Raum solcher Auslese, ohne die ermüdenden Wiederholungen dieser traditiongebundenen Kunst, zeigt sich ihr Reichtum vielleicht am schönsten. Taoistische und buddhistische Mystik, Heldentum und Kriegerehre, Liebe manchen Tons und Ranges, an ihrer Stelle bei den jungen Literaten und späteren Staatsdienern eine hochgestimmte Männerfreundschaft, heitere und ernste Bilder des Lebens, sich steigernd bis zu erschütterndem Ausdruck allgemein-menschlichen oder persönlichen Leidens, politische und gesellschaftliche Satire; dazu die Landschaft, groß und zart gesehen wie in der chinesischen Malerei. Unter den Gattungen ragt der Vierzeiler hervor als eine Form verhaltenen und verschweigenden Andeutens, welche wundersame Kleinodien reiner Lyrik hervorgebracht hat. Leidenschaft ist dieser Kunst im allgemeinen fremd; ihr Wesen ist eine milde, oft schwermütige Beschaulichkeit, und ihr höchster Zauber liegt in der Verbindung eines modern anmutenden Impressionismus mit der keuschen Kühle eines doch antik gebundenen Seelenlebens.

Befremdend und befreiend zugleich wirkt der Anblick einer fernen hohen Kultur – in anderer Gestalt das gleiche Menschenwesen zu finden beunruhigt und beglückt. Der Wissenschaftler wird mehr das Einmalige, Bedingte, »ganz Andere« der Erscheinung empfinden, der Künstler stärker von der Gleichartigkeit des Lebens bewegt werden; als Übersetzer läßt er je nach dem Charakter des Gedichtes die eine Betrachtungsweise vorwalten, ohne doch die andere ganz vernachlässigen zu dürfen. Solches Verhalten allein bewahrt vor der subjektiven Willkür, welche diese Lyrik, je nach der herrschenden Mode, naturalistisch oder expressionistisch vergewaltigt und damit vernichtet hat, bar der Ehrfurcht und Liebe, die der Übersetzer dem Urbilde schuldet. Außerdem gilt freilich zuerst und zuletzt die Forderung, daß lyrische Übertragungen eben – Gedichte seien.

Selbst die bisherigen (lateinischen, französischen, englischen und deutschen) Prosa-Wiedergaben, oft fehlerhaft in der Auffassung des Textes und ohne Umblick und Geschmack in der Auswahl, waren als Stoff künstlerischer Gestaltung wenig brauchbar; ich habe als Erster die, seit 1919 erschienenen, zuverlässigen und feinfühligen Prosa-Übertragungen des englischen Sinologen Arthur Waley benutzt.

Im Auftrag der Verlagsbuchhandlung Georg D. W. Callwey in München wurden im Herbst des Jahres 1929 von diesen »Nachdichtungen Chinesischer Lyrik« zweitausend Stücke bei Jakob Hegner in Hellerau in der Janson-Kursiv von 1670 hergestellt. Einhundert Exemplare wurden in Seide gebunden, handschriftlich numeriert und signiert.