Neugriechische Literatur

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Pierer 1860

[818] Neugriechische Sprache

u. Literatur. Die N. Sprache ist das Altgriechische, vermischt mit italienischen, slawischen u. türkischen Wörtern u. in den Formen ziemlich verderbt. Sie ist die Umgangssprache der jetzigen Griechen, während die Schriftsprache nur wenig von der altgriechischen unterschieden ist. Die Griechen nennen ihre Sprache eigentlich Romaische Sprache, weil sie im Mittelalter in Constantinopel, dem Sitze der Oströmischen Herrschaft, gesprochen u. die Griechen selbst damals Romäer genannt wurden. Es gibt mehre Dialekte, von denen sich z.B. der Sciotische durch Anhängen eines ε an den Artikel, Abwerfen des End-γ. im Accusativ Sing. der ersten u. zweiten Declination etc auszeichnet; der Kretische wegen Verstümmelung u. Zusammenziehung der Formen u. Reichthum an fremden Wörtern am schwersten zu verstehen ist etc. Die Buchstaben sind die altgriechischen (s. Griechische Sprache); dem Neugriechischen eigene Lautverbindungen sind γκ für g, μπ für b, ντ für d, τζ für tsch, τσ für z u. tz in fremden Wörtern. Ausgesprochen werden η, ει, οι, υι wie i; αι wie ä, αυ wie af od. aw, ευ wie ew u. ef, ου wie u; β wie w, ϑ wie das englische th od. wie f, ζ wie weiches s. Die Betonung richtet sich ganz nach den Accenten, welche auch in den meisten neugriechischen Büchern geschrieben werden. Der Spiritus asper (') wird zwar beim Schreiben beibehalten, aber nicht wie im Altgriechischen wie h ausgesprochen. Die Declination der Nomina ist mehrfach verstümmelt u. die verschiedenen Declinationen gehen in einander über. Die Pronomina Possessiva werden den Substantiven angehängt. Verschwunden ist[818] in der Neugriechischen Sprache der Dualis u. im Verbum das Perfectum u. der Optativus; der Infinitivus ist zwar formell noch vorhanden, wird aber meist nur als Substantivum gebraucht, nach Verbis wird er durch den Conjunctiv mit der Partikel να (daß) ausgedrückt, dagegen ist für den Conjunctiv od. Conditional eine periphrastische Form durch ἤϑελα (ich würde) mit dem Infinitiv, u. neben den Participien, deren jedoch nur Präsens u. Aoristus haben, kommt noch eine indeclinable Form auf -οντας z.B. γράφοντας), welche Einige Gerundium nennen, vor. Von den Tempora haben besondere Formen nur Präsens, Imperfectum u. Aoristus; das Futurum wird mit ϑήλω (ich will) u. das Plusquamperfectum mit εἶχα (ich hatte) u. dem Infinitiv umschrieben. Auch im Verbum haben sich die Flexionsformen sehr verändert, statt des Augmentum syllab. (ἐ) braucht die vulgäre Sprache den langen Vocal (ἠ) od. läßt es ganz weg. Übrigens theilen sich die Verba noch in Verba barytona u. Verba pura (s. Griechische Sprache), aber Verba in μι gibt es nicht mehr. Von Adverbien, Präpositionen, Conjunctionen u. Interjectionen gilt dasselbe, was unter Griechische Sprache gesagt ist. Der Anfang des Vaterunsers lautet: ωπατήραμας, ὁποῦ εἶσαι εἰς τοὺς οὐρα-νούς ἂς ἁγιασϑῆ τὸ ὀνομάσου, d.h. o Vaterunser, der bist in den Himmeln; werde geheiligt der Name-dein. Grammatiken von Ananias, Vened. 1784; Athan. Christopulos, Wien 1805; Schmidt, Lpz. 1808 u. 1824; Bojadschi, Wien 1821 u. 1823; Jul. David, Par. 1821, 2. Aufl. 1827, Lpz. 1828; Desselben Vergleichung des Alt- u. Neugriechischen, griechisch, ebd. 1820, deutsch, Königsb. 1837; Bambas, Chios 1821; Friedemann, Braunschw. 1825 (Vergleichung des Alt- u. Neugriechischen); Münnich, Dresd. 1826; Lüdemann, Lpz. 1826; Minas, Par. 1827 u. 1828; Mich. Schinas, ebd. 1829; Theocharopulos, Par. 1830; Franz, Münch. 1833; F. Possart, Lpz. 1834; Russiadis, Wien 1834; Sophokles, Romaic or modern greek grammar, Lond. 1858; Mullach, Grammatik der griechischen Vulgärsprache in historischer Entwickelung, Berl. 1856; Über die Aussprache M. Minas (französisch), Par. 1827, u. Konst. Oikonomos (griechisch), Petersb. 1830. Wörterbücher von Samavera (italienisch u. griechisch), Par. 1709; Vlanti (italienisch u. griechisch), Vened. 1782, 2. Aufl. 1806, 3 Bde.; Vendoti (griechisch, lateinisch u. französisch), Wien 1790; Weigel (griechisch, deutsch u. italienisch), Lpz. 1796–1804, 2 Bde.; Zalikoglou (französisch u. griechisch), Par. 1824; Alexandridis (türkisch u. griechisch), Wien 1812, 2 Thle.; Komas (griechisch, russisch u. französisch), Moskau 1811; Anth. Gasis (alt- u. neugriechisch), Wien 1809 f., n.A. von Metakidis u. Ikarpolas, 1831; Schmidt (griechisch u. deutsch), Lpz. 1825, 2 Thle.; Kumas (alt- u. neugriechisch), Wien 1826; das große WörterbuchΚιβωτός von mehren Gelehrten, bes. von dem Patriarchen Gregorios, bearbeitet, Constant. 1819, 2 Bde., Fol., ist unvollendet; Dehèque (griechisch u. französisch), Par. 1825; Anselm (griechisch u. deutsch), Münch. 1834; Skarlatos Byzantios, Λεξικὸν τῆς καϑ ἡμἆς ἑλληνικῆς διαλέκτου, Athen 1835; Λεξικὸν ἐπί-τομον τῆς ἑλληνικῆς γλώσσης, Athen 1839, 2. Aufl. 1852; Derselbe, Neugriechisch-französisches Wörterbuch, 2. Aufl., Athen 1857. Chrestomathie: von Kind, Lpz. 1845.

Von einer Neugriechischen Literatur

im eigentlichen Sinne des Worts kann erst seit Anfang des 18. Jahrh. die Rede sein. Die altgriechische Literatur endete mit der Einnahme Constantinopels u. der Vertreibung der griechischen Gelehrten durch die Türken; fast alle Bildung hört nun unter der drückenden Herrschaft der Letztern auf, u. die Sprache schon mehrfach mit fremden Elementen vermischt, wurde bis zur Unkenntlichkeit verderbt. Dieses Patois nannte man Mixobarbaron, u. nur Wenige schrieben darin, gewöhnlich nahm man zu dem Altgriechischen, in den meisten Fällen jedoch zu fremden Sprachen die Zuflucht. Als das älteste Erzeugniß der Neugriechischen Literatur gilt eine Chronik von Simeon Sethos (1070–80), in welcher der Volksdialekt zum erstenmal als Schriftsprache auftritt. Als der erste neugriechische Dichter läßt sich Theodor Prodromos od. Ptochoprodromos (Mitte des 12. Jahrh.) ansehen. Prosaliteratur bis in das 18. Jahrh. ist ohne alle Bedeutung u. beschränkt sich fast nur auf kirchliche Schriften, geistliche Reden etc., wie denn überhaupt die Kirche das einzige Verhältniß war, worin die griechische Nation eine Art politischer u. literarischer Existenz fand; vgl. Ellissen, Analekten der mittel- u. neugriechischen Literatur, Lpz. 1855–57, Bd. 1 u. 2. Mit dem im Schooße des Volkes neuerwachenden Leben, etwa seit Anfang des 18. Jahrh., änderte sich diese Richtung; der Gesichtskreis begann sich zu erweitern, die Anwendung der Neugriechischen Sprache zu Schriften u. Druckwerken wurde immer häufiger, bis zuletzt die Anfänge zu einer wirklichen Nationalliteratur gemacht wurden. Im Allgemeinen theilen die Griechen selbst ihre neue Literatur in drei Perioden: a) Erste Periode von 1700–1750. Die neue Blüthe der Griechischen Literatur begann durch den Einfluß, welchen die Fanarioten im Serail zu Constantinopel erhielten u. dadurch, daß aus ihnen Pfortendolmetscher, wie Alexander Maurokordatos, u. Hospodare der Moldau u. Walachei, wie Nikolaos Maurokordatos, gewählt u. bald auch wieder griechische Schulen errichtet wurden, wie 1700 in Constantinopel u. bald darauf in Patmos. Aus beiden gingen mehre Gelehrte hervor; die Schriften, die jetzt geschrieben wurden, gehörten meist noch der Kirche an. b) Zweite Periode von 1750 bis zu Ende des 18. Jahrh. Die durch Handel erworbene Wohlhabenheit Vieler u. die Theilnahme an der Regierung in den Donaustaaten veranlaßte theils die Liebe zur Bildung u. zeigte andern Theils die Nothwendigkeit der Bildung, wenn man nicht hinter den benachbarten Westländern zurückbleiben wollte. Vorzüglich aber trug dazu bei, daß Viele Reisen in den Occident machten, Viele selbst auf dortigen Universitäten studirten. Bald aber trat ihnen nun die Nothwendigkeit entgegen, auch für die Reinigung u. Pflege der Sprache zur Anwendung in der Schrift zu sorgen. Vor Allen zeichnete sich darin aus der constantinopolitanische Patriarch Samuel u. Eugen Bulgaris; nicht allein kirchliche Schriften wurden jetzt geschrieben, sondern auch grammatische u. rhetorische, geographische u. historische, mathematische u. philosophische, selbst die Poesie erhielt an Georg Sakellarios, Rhigas u. And. Verehrer. c) Dritte Periode seit dem Anfang des 19. Jahrh. Jetzt wurde bes. die Sprache, selbst die Volkssprache, durch Reinigung vom Ausländischen mehr u. mehr ausgebildet, worin sich bes. Korais auszeichnete.[819] Zwar hatte Korais' ziemlich durchgreifendes Reformationswerk gegen manchen Angriff u. manches Hinderniß zu kämpfen, aber unterstützt von dem intelligentesten Theile der Nation u. von den namhaftesten Gelehrten (der Λόγιος Ἑρμς war das Organ dieser verständigen Puristen), ging sein Purismus meist durch, u. so ist es gekommen, daß die neugriechische Schriftsprache der altgriechischen wieder sehr ähnlich geworden ist. Überhaupt kann Korais als Vater der neuen Griechischen Literatur gelten. Auch das Ausland nahm Theil an dem Gedeihen der Griechischen Literatur, u. bes. in Deutschland u. Frankreich wurde die Neugriechische Sprache grammatisch dargestellt, theils sorgten im Auslande lebende Griechen, bes. in Wien, Petersburg, Odessa, Livorno, Venedig etc. für die literarische Bildung ihrer Landsleute. Die Gründung von Schulen dauerte fort, so wurde eine 1800 in Chios, dann eine Akademie in Janina, Lyceen in Jassy u. Bukarescht gegründet; bes. verdient um die Bildung der Griechen auf den Ionischen Inseln machte sich der Engländer Graf von Guilford, welcher die Universität in Korfu stiftete, die 1824 eröffnet wurde Obgleich der Griechische Freiheitskampf u. seine unmittelbaren Folgen für die seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. ins Leben getretenen Anstalten u. Förderungsmittel für Volksaufklärung u. wissenschaftliches Leben höchst verderblich wirkte, so begann doch die wissenschaftliche u. literarische Thätigkeit nach der festen Constituirung des Griechischen Staates, bes. seit der Thronbesteigung des Königs Otto, rasch wieder aufzuleben. Zwar konnten die Originalarbeiten auf wissenschaftlichem Gebiete bis jetzt die Übersetzungen abendländischer, bes. deutscher Hand- u. Lehrbücher noch nicht ganz entbehrlich machen, doch ist die Zahl der auf selbständigem Forschen beruhenden Werke stets im Zunehmen begriffen. So sucht sich die Poesie auch immer von den französischen u. italienischen Einflüssen zu emancipiren, u. nach den Mustern der altgriechischen Dichtung zu nationaler Selbständigkeit herauszuarbeiten. Gleich nach der Ankunft des Königs Otto erhielt der öffentliche Unterricht unter dem Minister Schinas durch das Gesetz vom 18. Febr. 1834 eine verbesserte Gestalt; andere Gesetze über die Erhaltung alter Kunstwerke vom 22. Mai 1834, über die Vergrößerung der Staatsbuchdruckerei vom 22. Dec. 1834 etc. folgten rasch nach. Über die seitdem errichteten Unterrichtsanstalten s.u. Griechenland (Geogr.). Von höchster Wichtigkeit, nicht blos für Griechenland, sondern für den Orient überhaupt, ist die Ottouniversität (Ὀϑωνεῖον), die am 3/14. Mai 1837 in Athen eröffnet wurde, im Jahre 1859 aber bereits 600 Studenten mit 40 Lehrern zählte. Die Sammlungen der Universität sind im Wachsthum begriffen, die Bibliothek schon auf 80,000 Bände gestiegen. Das früher in Ägina befindliche Nationalmuseum wurde nach Athen übergeführt. Zur Begründung einer Akademie hat der reiche Grieche u. Bankier, Baron Sina in Wien, 1858 sehr bedeutende Summen bewilligt. Vor dem Befreiungskriege wurden griechische Werke nur im Auslande, bes. in Wien, Venedig, Jassy, Bukarescht, Odessa, sowie in Paris, Leipzig u. anderwärts gedruckt; doch erhielt schon Ende des 18. Jahrh. Korfu eine Presse, in den zwanziger Jahren des 19. Jahrh. wurden Druckereien in Korinth, Hydra, Missolunghi, Nauplia, Kalamata eröffnet u. seitdem sind viele andere entstanden, von denen die Staatsbuchdruckerei in Athen, sowie die von Argyllladis u. Andreas Koromilas ebendaselbst die bedeutendsten sind. Jetzt wird auch in Smyrna, Thessalonich, Constantinopel u. an anderen Orten der von Griechen bewohnten Gegenden des Morgenlandes vielerlei gedruckt. Ein regelmäßiger Buchhandel ist noch nicht organisirt. Die Zahl der Journale u. Zeitungen ist verhältnißmäßig bedeutend, s. Zeitschriften. In jüngster Zeit wurden jährlich etwa 160 neugriechische Bücher im Orient gedruckt, wovon etwa zwei Drittheile auf Griechenland u. ein Fünftel der ganzen Summe auf die Ionischen Inseln kamen. Bei den Producten der Poesie ist die Volkspoesie, das poetische Erzeugniß der Gesammtheit des griechischen Volks, wohl zu unterscheiden von der Kunstpoesie, den Erzeugnissen Einzelner, Während die letztere früher unter dem Einflusse u. nach dem Vorbilde fremder (italienischer u. französischer) Poesie heranwuchs u. erst allmälig zu den wahren nationalen Mustern der altgriechischen Dichtung zurückkehrt, ist die Volkspoesie von jeher der treueste Spiegel der neugriechischen Nationalität gewesen; theils sind es Klephtenlieder u. historische Volksgesänge aus den Zeiten des Befreiungskrieges, theils sind es Bilder eines beweglichen Lebens im häuslichen Kreise, od. die der Natur, für deren freudige od. wehmüthige Eindrücke der Grieche, gleich dem Schotten, eine eigenthümliche Empfänglichkeit besitzt; theils endlich sind es die Erzeugnisse einer edleren, durch ihre Gemüthlichkeit u. Zartheit ansprechenden Romantik. Sammlungen neugriechischer Volkspoesie sind theils von Ausländern, theils von Griechen selbst veranstaltet worden, von ersteren sind zu erwähnen, außer Ellisens Versuch einer Polyglotte der europäischen Poesie (Lpz. 1846, 1. Bd.), die Sammlungen von Fauriel (Chants populaires de la Grèce moderne, Par. 1824 f., 2 Bde.; deutsch von W. Müller, Lpz. 1825, Cobl. 1825); von Schmidt-Phiseldeck (Neugriechische Lieder, Braunschw. 1827); bes. von Th. Kind (welche auch Kunstpoesien enthalten); Firmenich (Τραγώδια ῥωμαικά, Berl. 1840), Sanders (Das Volksleben der Neugriechen, Manh. 1844), Graf Marcellus (Par. 1851), Ampère (ebd. 1853; italien. von Latta, Flor. 1855). Von Einheimischen rühren her des Georgios Eulampios Ὁ Ἀμάραντος (Petersb. 1843) u. vorzüglich M. Vreto Contes et poëmes de la Grèce moderne, Par. 1855. Proben von Kunst poesie bietet namentlich der Ἑλληνικὸς νήος Παρνασσός (Athen 1841) von Const Al. Chantseri; andere poetische Sammlungen Ἀνϑολογία Συλλογὴ ἀσμάτων ἡρωϊκῶν καὶ ἐρωτικων (Athen 1835), Ἄσματα διαφόρων ποιητῶν (Nauplia 1835) u.a. Sammlungen von neugriechischen Sprüchwörtern gaben Maniaris (Η σφί ξ, Triest 1832) u. I. Wenisel s (Παροιμ ίαι δημώδεις, Athen 1846) heraus; dergleichen finden sich auch in Sanders Volksleben der Neugriechen (s. oben) u. im 2. Band von Roß Reisen auf den griechischen Inseln. In der Kunstpoesie sind bereits einige Gattungen mit Erfolg angebaut worden. Ein sehr umfangreiches Gedicht, Ἐρωτόκριτος (Vened. 1797, 1836), ein Ritterroman in Versen, im 16. Jahrh. von Vincenz Cornaro gedichtet, hat bei den Griechen hohes Ansehen u. große Popularität erlangt. Sonst verdienen von neugriechischen Poesien des 17. Jahrh. noch angeführt zu werden: das Trauerspiel Ἑρωφίλη[820] (Vened. 1793, 1804), gearbeitet nach der Novelle Guiscardo e Gismunda von dem Kreter Georgios Chortaisis; die Στοιχομαχία (Kampf der Elemente), allegorisches Gedicht eines Ungenannten; die Idylle Βοσκοπούλα (Vened. 1627), von Nik. Drymitikos aus Apokorona um 1620 verfaßt; das schöne Gedicht Ἑλλάς (Rom 1642) von Leo Allatius. Die im schlechtesten italienischen Geschmacke geschriebene erotische Erzählung Κλεάνϑης καὶ Ἁβροχόμη von Const. Manon aus Constantinopel fällt in das 18. Jahrh. In dem ersten Viertel desselben dichtete Manthos Joannu aus Janina seine, für die Sagentradition unter dem Volke interessanten Dichtungen (Vened. 1839), unter denen die Συμφορὰ καὶ αἰχμαλωσία Μωρέως das umfänglichste ist. Sonst gehören noch dem 18. Jahrh. an: die gereimte Βοσπορομαχία Ἀσίας καὶ Εὐρώπης (Lpz. 1766), ein beschreibendes Gedicht von Jannazakys Tyanitis aus Constantinopel, die medicinischen Ποιήματα (Wien 1795) des Macedoniers Dem. Karakassis, die geistlichen u. weltlichen Lieder des Const. Daponti (Lpz. 1766), ein Gedicht des Alex. Kalphoglou über den Zustand der Walachei, die Πoήματα ἰαμβικά (Petersb. 1781) des Antonius Peladokli von Mitylene, die Oden u. Episteln des Alex. Maurokordatos, einstigen Hospodars der Walachei. Zu Anfang des 19. Jahrh. dichtete Zacharias Maurudi den Tod der Maria Ghika u. das Heimweh (Wien 1808). In dem kleinen um 1812 gedichteten anonym-satyrischen Drama: Ρωσσ-ΑγγλοΓάλλος, gibt sich bereits ein durch die Zeitereignisse veranlaßter Freiheitsdrang kund. Schon vorher hatte Const. Rhigas (s.d.) seine Freiheitshymnen (Ποιήματα, Jassy 1814), unter and. eine Nachahmung der Marseillaise (Δεῦτε παῖδες τῶν Ἑλλήνων etc.) gesungen, welche von der Nation mit Begeisterung aufgenommen wurden. Eine andere Nachahmung der Marseillaise (Φίλοι μου συμπατριῶται) von noch höherem poetischen Werthe dichtete 1801 Adamantius Korais. Nach Erhebung des griechischen Volks im Jahre 1821 hauchten die Gebrüder Panagos u. Alex. Sutsos, Polysoidis, Kalvos, Salomos, Risos Nerulos, Alex. Ypsilantis (s.d.) u. Angelica Pali durch ihre Hymnen, Oden u. Elegien Begeisterung für Kampf u. Freiheit ein u. feierten die Helden u. die Großthaten des Kampfes. Dieselbe Richtung verfolgt mit Glück in neuester Zeit Karatschutschas. Einen neuen Aufschwung nahm die neugriechische Poesie seit dem Befreiungskriege. In mehren Gattungen hat sie seitdem begonnen, sich von fremden Vorbildern frei zu machen u. sich unter Anlehnung an die altgriechischen poetischen Denkmäler zu einer nationalen Selbständigkeit herauszubilden. Durch Ambr. Rallis in Triest wurde 1851 ein jährlicher poetischer Wettkampf für die griechische Nation festgestellt. Unter den Lyrikern nimmt Athan. Christopulos, der neue Anakreon der Griechen, mit seinen erotischen u. bakchischen Gesängen voller Gefälligkeit u. lieblicher Anmuth Λυρικά, Par. 1831, Wien 1818; mit deutscher Übersetzung, Wien 1822, mit französischer Übersetzung, Strasb. 1832, Par. 1847), noch gegenwärtig eine vorzügliche Stelle ein. Den Gegensatz zu ihm bildet Georg. Sakellarios mit seinen antibakchischen Liedern u. patriotischen Gesängen (Πο ήματα, Wien 1817). Der Richtung des Christopulos folgten später Panag. Sutsos u. Elias Tantaliotis (Ποιήματα, Athen 1839). Sonst sind als Lyriker außer Konst. Kuskurulis aus Larissa, welcher in seinem Roman Ερωτος ἀπο τελήσματα (Wien 1809) viele Lieder einstreute, Minoidis Minas Ποιήματα, Genf 1824), A. Lazaras (Elégie sur la mort du général Lafayette, griech. u. franz., Par. 1834) u. Athan. Georgiadis Leukios (Ὀϑωνιάς, Nauplia 1834), A. Kalvos (Η λύρα, Genf 1824; La lyre patriotique de la Grèce, Par. 1824; κάλβου καὶΧρηστοπούλου λύρα. ebd. 1826). Auf den Ionischen Inseln zeichnete sich zuerst Joannis Zampelios (st. 1856), dann während der Erhebung der Zantiot Solomos aus; nach denselben sind als bedeutende Dichter Julius Typaldos aus Zante u. Aristoteles Balaoritis zu nennen. An diese reihen sich die Epiroten Joannis Villaras aus Janina (Ηοιήματα, 2. Aufl. Zante 1854), welcher im Anfange des 19. Jahrh. für einen der besten griechischen Dichter galt, u. Zalokastos (st. 1858). Unter den jüngeren Lyrikern sind namentlich Joannis Skylitsis, Joannis Karatschutschas (Μοῠσα ϑ ηλάζουσα, Hermupolis 1840;Λύρα, Athen 1839; Ἐωϑιναὶ μελῳδίαι, ebd. 1846), Christos Anastasiadis aus Constantinopel (Λἱ πρῶται ἐμπνεύσεις, Constant. 1844) u. Sophokles Karydis aus Tripolitsa ('Η λύρα, Athen 1849) auszuzeichnen, denen sich in den letzten Jahren noch Ant. Manussis, G. E. Maurogianni, Christos A. Parmenidis, G. Tertzetis, N. Bernardakis, A. N. Botsis, Panag. Synodinos, die Dichterin Euphrosyne Samartzidos etc. angeschlossen haben. In den Dichtungen mehrer der genannten Dichter herrscht das politische Element vor; noch mehr gilt dieses von denen der satyrischen Richtung. Außer Spyridon Trikupis, dem Verfasser des romantischen Gedichtes Δῆμος (1821), gehören hierher der Macedonier Michael Perdikkaris (gest. 1831) mit seinem Ερμιλός, einer Nachahmung des Goldenen Esels von Apulejus; Theod. Orphanidis aus Smyrna mit den Satyren Μένιππος (Athen 1836 f., 2 Bde.) u. Ὁ τοξότης (ebd. 1840); vor Allen aber Alex. Sutsos, unstreitig der originellste neugriechische Dichter, in seinem gegen die Partei Capodistrias gerichteten Sittengemälde Πανόραμα τῆς Ἑλλάδος (Nauplia 1833, 2 Bdchn., mit Anmerkungen von Th. Kind, Lpz. 1835), den Satyren Μενιππεῖα, dem spitzigen Gedicht Η μεταβολὴ τῆς τρίτης Σεπτεμβρίου, (Athen 1844), den Satyren Πανόραμα τῆς ἐν Ἀϑήναις συνελεύσεως (ebd. 1844)., Σατύρα πρώτη κατοπρονιοῠ 1845 ἔτους u. Ποιητικὸν καρτοφυλάκ (Die poetische Brieftasche, 1846). Das politische Element herrscht auch in Panagos Sutsos Gedichten (Poésies nouvelles des frères Soutzo, Nauplia 1833; Ποιήσεις, 1831, 2 Bde.; Ἡ κιϑάρα, 1835). Allegorien u. Fabeln in der Art Äsops u. Gellerts dichtete Alex. Sturza (Ἀλληγορίαι καὶ μῦϑοι, Odessa 1834). Ein didaktisches Gedicht ist Ἀνϑά, ή ή φωνὴ τῶν ἀνϑέων (Athen 1846), eine Blumensprache in gereimten politischen Versen. Ein komisches Epos Κούρκας ἁρπ αγή (Der Raub der Truthenne, Wien 1815), von Risos Nerulos (s.d.), gibt ein lebendiges Bild der Sitten u. des intriguanten Charakters u. Treibens der Fanarioten. Zur Gattung der romantische-epischen Poesie gehört Ὁ περιπλανώμενος (Athen 1839) des Alex. Sutsos, welcher auch in dem Epos Η τουρκομάχος Ἑλλάς in 12 Gesängen (Athen 1830) den Griechischen Befreiungskampf feierte. Sonst ragt besonders Alex. Risos Rangawis unter den Epikern durch die [821] Epopöen Δῆμος κἙλήνη (Nauplia 1831, deutsch von Lachner, 1834) u.Λαοπλάνος (Der Volksverführer) hervor. Das didaktisch-epische Gedicht Ο Μεσσίας (Athen 1839) von Panagos Sutsos ist reich an tiefen u. erhabenen Gedanken. Unter den jüngeren Epikern ist Myron ('Ο Ἕλλην τῆς δης, Athen 1856) zu nennen. Das politische Element leuchtet auch in den beiden bedeutenden Romanen, Ο ξξόριστος τοῦ 1831 ἔτους (Der Verbannte von 1831, Athen 1834, deutsch Berl. 1837) von Alex. Sutsos u. dem philosophisch politischen Λήανδρος (Athen 1835) seines Bruders Panagos Sutsos hervor. Den ersten Roman in Neugriechischer Sprache: Die Waise von Chios (Odessa 1834, 3 Bde.), verfaßte Jakob Pitzipios. Erzählungen gab in neuerer Zeit H. Risos Rangawis (Athen 1855–57, 2 Bde.) heraus. Als Übersetzer fremder belletristischer Arbeiten dieser Gattung machten sich bes. Nik. Pikkolos aus Turnavo in Thessalien, einer der besten neugriechischen Prosaisten, durch seine Übertragungen von Bernardin's de St. Pierre Paul et Virginie u. La chaumière Indienne (Φ, λομούσου πάρεργα, Par. 1838, 1846), sowie Georg. Sutsos (Florians Wilhelm Tell) u. Dim. Sutsos (Florians Numa Pompilius) bekannt. In dem Drama versuchten sich, fast immer mit politischer Tendenz, Nik. Pikkolos, von dem 1818 auf dem griechischen Theater in Odessa eine Bearbeitung von des Sophokles Philoktet u. der Tod des Demosthenes aufgeführt wurde; Joannis Zampelios (Τιμολήων, Wien 1828, Κωνσταντῖνος Παλαιόλογος, Ρήγας); Risos Nerulos (die Trauerspiele Polyxena; Ἀσπα-σία, Wien 1813, Lpz. 1823 etc.); Euanthia, die Schwester des Theologen u. Philosophen Theophilos Kaïris auf Syra (Nikiratos, Naupt. 1826, aufgeführt in Athen 1838); Risos Rangawis ('Η παραμονή, d.i. der Vorabend, ein patriotisch-historisches Trauerspiel; Phrosyne, ein romantisches Drama, in dessen Διάφορα ποιήματα, Athen 1837–40, 2 Bde.), Alex. Sutsos (Markos Bozzaris), Panagos Sutsos (Ὁ ὁδοιπόρος, ein mehr für die Lectüre bestimmtes dramatisches Gedicht, sowie einige historische Trauerspiele aus der neuesten Geschichte Griechenlands); Spirid. Melissenos Ἰεφϑά, Korfu 1856); Dim. Bernardakis (ΜαρίαΔοξαπατρῆ, 1858) etc. Das Lustspiel ist vorzugsweise politisch-satyrischer Natur; zu erwähnen sind Risos Nerulos Κυρακιστικά, 1813; Η ἐρωτηματικὴ οἰκογήνεια, Athen 1837; 'Ο φημερι-δοφόβος, ebd. 1837); M. Churmuisis ('Ο τιχοδιώκτης, Naupt. 1825); Dim. Byzantios (Βαβυλωνία, Athen 1842); Alex. Sutsos (Ὁ ἄσωτος, Naupt. 1830; 'Ο πρωϑυπουργός, d.i. Ministerpräsident, u. 'Ο άτίϑασσος ποιητής, zusammen Brüssel 1843) etc.

Auf wissenschaftlichem Gebiete wird die Neugriechische Literatur von Jahr zu Jahr reicher u. gediegener. Namentlich sind es die Zweige der Geschichte u. nationalen Alterthumswissenschaft, sowie der Philologie überhaupt, deren Leistungen selbst im Auslande die verdiente Anerkennung u. Verbreitung gefunden haben. Als Geschichts schreiber machten sich in den letzten beiden Decennien verdient: Kumas (s.d.), Konstantinos Papartigopulos Στοιχειῶδης γενικὴ ἱστορία, Athen 1846); A. M. Anselm (ein Deutscher, st. am 7. Febr. 1843 als Director des Gymnasiums in Nauplia) durch Ἐτίτομος γενκὴ ἱστορία τῆς ἀνϑρωπίνης κοινωνίας (Athen 1842). Über die Geschichte fremder Länder, welche von Griechen nicht bewohnt werden, ist bisher keine beachtenswerthe selbständige Arbeit erschienen, übersetzt wurde z.B. Iwan Golowins Werk ἩῬωσσία ἐπὶ Νικολάου Ι. (Athen 1849); ferner Karamsins Geschichte von Rußland von Krokidas (ebd. 1856–59, 12 Bde.); Konst. Schinas begann eine Ιστορία τάν ἀρχαίων ἐϑνῶν (Athen 1846). Häufig wurde die Geschichte des neueren Griechenlandes, bes. der Befreiungskriege bearbeitet, so früher schon von Risos Nerulos (Histoire de la Grèce moderne, Par. 1828, deutsch von Eisenbach, Lpz. 1830) u. von Alex. Sutsos (Histoire de la revolution grècque, ebd. 1829); ferner Perrävos Απομνημονεύματα πολεμικὰ διαφόρων μαχῶν κ. τ. λ. ἀπὸ 1820–29, Athen 1836); Philimon (Über die Hetärie, ebd. 1834); Germanos, Erzbischof von Patras ('Υπομνήματα περὶ τῆς ἐπαναστάσεως τῆς Ἑλλάδος ἀπὸ τοῦ 1820 μέχρι τοῦ 1823, herausgeg. von Kallinikos Kastorchis, Athen 1837); Christ. S. Byzantios (Ιστο ρία τοῦ τακτικοῦ τῆς Ἑλλάδος, ebd. 1837); Antonios A. Miaulis Συνοπτικὴ ἱστοριῶν ὑπὲρ τῆς ἐλευϑερίας ἀναγεννηϑείσηςἙλλάδος γενομήνων ναυμαχιῶν, Naupt. 1835) etc. Das Hauptwerk aber lieferte Spiridon Trikupis Ιστορία τῆς ἑλλη νικῆς ἐπαναστάσεως, Lond. 1855–57, 4 Bde.), Beiträge zur Geschichte des Befreiungskrieges veröffentlichten in jüngster Zeit noch Panag. Kalebras, Theod. Kolokotronis (Ἀπομνημονεύματα, Athen 1858), N. Kotzias (Ipsarioten) u.a. Nicht ohne wissenschaftliche Bedeutung sind einige Schriften über die ältere Geschichte Griechenlands. Gründlich u. gelehrt sind die Arbeiten des Konstantinos Papartigopulos, wie die historisch-chronologische Untersuchung Τὸ τελευταῖον ἔτος τῆς ἑλληνικῆς ἐλευϑερίας (Athen 1844) u. die gegen Fallmerayer gerichtete Περὶ τῆς ἐποικήσεως Σλαβικῶν τινων φυλῶν εἰς τὴν Πελοπόννησον (ebd. 1843). Über die letztere Frage schrieben auch Georgiadis Leukias u. S. Zampelios (Βυζαντίναι μελεταί, Athen 1858). P. Argyropulos schrieb u.a. über die Gemeinde- u. Districtverfassung in Griechenland vor der Revolution (ebd. 1841). Zur Specialgeschichte u. Topographie gehören die Arbeiten von Dionisius Sourmelis über Athen (ebd. 1842, ein Auszug aus dessen Ιστορία τῶν Ἀϑηνῶν, ebd. 1834, 2. Aufl. 1842; ferner Ἀττικά, ebd. 1854); M. Churmusis über Kreta (ebd. 1842); Antonius Miaulis über Hydra (Münch. 1834); Alex. M. Wlastos über Chios (Hermupolis 1840, 2 Bde.); A. Sakellarios (Über Cypern, Athen 1855); Arabantinos Χρονογραφία τῆς 'Ηπείρου, ebd. 1857, 2 Bde.); N. S. Risos (Über Kappadocien, Const. 1856); Perrävos (Über Suli u. Parga, 2. Aufl. Athen 1857, 2 Thle.) etc. Von Biographien berühmter Griechen sind zu nennen die des Kanaris (Lpz. 1835), die Selbstbiographie des Korais (Par. 1833), die Schrift des Arztes Sophokles. Oikonomos über Markos Kyprios, einen gelehrten Arzt des 17. Jahrh. (Athen 1843) etc. Gute Arbeiten über die Geographie Griechenlands sind außer dem Kartenwerke Aldenhovens (Athen 18381 bes. Joann. N. Balettas' Γεωγραφία τῆς Ἑλλά δος ἀρχαίας τε καὶ νεωτέρας (Hermupolis, 3. A. 1851).u. der nach officiellen Mittheilungen abgefaßte Πίναξ χωρογραφικὸς τῆς 'Ελλάδος von I. D. Stamatakis (Athen 1846). Letzteres Werk enthält gute Materialien zur Statistik des Landes, wie[822] auch das seit 1837 von I. Klados veröffentlichte Staatshandbuch, die 'Εφετηρὶς τοῦ βασιλείου τῆς Ἑλλάδος (Athen 1837 ff.).

Als staatswissenschaftliche u. politische Schriftsteller sind bes. Minas, Polysoidis u. Paläologos (Handbuch der Staatsökonomie) zu erwähnen. Manches wurde übersetzt, wie z.B. Thiers Ηερὶ ἰδιωκτησίας (Athen 1849) von E. A. Simos. Ein geschätzter publicistischer Schriftsteller war Nikolaos Skuphos (st. den 14. Oct. 1841); Philippos Phnrnarakis u. Th. Rhallis bieten in den Σύμ-μικτα ἑλληνικά (Par. 1831) auch mehres Politische. Spyridion Valettas philosophirte in Dialogen (z.B. 'Ο γήρων λιμπήρις, Athen 1836) über griechische Sitten u. Zustände des Tages. Als politischer Redner hat sich namentlich Trikupis einen Namen erworben; neben ihm ragten noch hervor: Rhendis, Kolettis, Maurokordatos, Petsalis u. Dokos. In Altgriechischer Sprache sind die Rectoratsreden von G. A. Maurokordatos, Ph. Joannu u. Th. Manussis etc. verfaßt. Die begeisterte Rede des Alex. Sutsos, Αὐτοσχήδιος λόγος πανηγυρι-κος τῶν ὑπὲρ πατρίδος πεσόντων κατὰ τὸν Ἑλληνικὸν ἀγῶνα (Athen 1846), wird in einer Ἐπίκρισις von Ch. Sakellariadis (ebd. 1846) heftig angegriffen. Ein ausgezeichneter geistlicher Redner ist Konst. Oikonomos (geistliche Reden, gehalten in Odessa 1821 u. 1822, worunter bes. die Leichenrede auf den Patriarchen Gregorios berühmt, Berl. 1833; auf das Gedächtniß der fünf Brüder Zosimas, Athen 1842; Λόγος ἐπιτάφιος εἰς τὸν ἀοίδιμον Θ. Κολοκοτρώνην, ebd. 1843, etc.). Derselbe ist in der Theologie zugleich Vertreter der kirchlich-orthodoxen Richtung, während Theoklitos Pharmakidis als Vertreter des rationalen Princips gilt. Bedeutendere wissenschaftliche theologische Arbeiten lieferten Neophytos Bambas (Wamwas), Misail Apostolidis, Konstantinos Kontogonis u. Andere; eine Allgemeine Kirchengeschichte (Constantinopel 1851, 1. Bd.) hat Nik. Adamidis begonnen. Unter den Werken über Philosophie sind zu erwähnen: Benjamin Lesbios Στοιχεῖα μεταφυσικῆς (Wien 1820); Neophytos Dnkas Λογικὴ καὶ μεταφυσική (Ägina 1834); Neophytos Bambas, Στοιχεῖα φιλοσοφίας (Athen 1838); G. Servios Ψχολογία (Hermupolis 1841); Kumas 'Ηθική (Athen 1844, herausgeg. von dessen Tochter Helena Katakosini); K. Euthybutos Ψυχολογία κατά Δα-μιρῶνα (Byzanz 1848); Spyridon Komnos Πρό-δρομος φιλοσοφίας (Athen 1849); M. Ranieris Φιλοσοφία τῆς ἱστορίας (ebd. 1841); Theoph. Kairis Στοιχεῖα φιλοσοφ ίας (ebd. 1851). Über Erziehung hat A. Phatseas geschrieben. Die exacten Wissenschaften haben bis jetzt noch wenig selbständige Forscher gefunden. Hand- u. Lehrbücher über mathematische Disciplinen lieferten Dionysios Pyrrhos, Ch. Waphas, K. Negris, G. Zochios u.a.; über Botanik Landerer (Athen 1845). In der Medicin verdienen als selbständig thätig genannt zu werden Alex. Maurokordatos, Konst. Maurogannis, Landerer, der Chirurg I. Olympios. Vieles Medicinische wurde übersetzt, wie z.B. M. I. Weber's Ἑρμηνεία εἰς τὸν ἀνατομικὸν ἄτλαντα (Athen 1843) von Damianos Georgios. In der Jurisprudenz sind wenig bedeutende Arbeiten erschienen; es sind deren nur eine von G. R. Rallis u. M. Ranieris veranstaltete Übersetzung von Mackeldey's Lehrbuch des Römischen Rechts (Athen 1838) u. eine Übersetzung der Institutiones Justiniani nach der Ausgabe von Reitz (Athen 1836) zu nennen.

Das meiste Interesse für den Ausländer nehmen die Arbeiten der Neugriechen auf dem Gebiete der klassischen Philologie u. Alterthumswissenschaft in Anspruch. Seit Korais wohl der bedeutendste Philolog der Neugriechen ist Constantin Asopios (s.d.). Andere grammatische Arbeiten über das Altgriechische lieferten früher Neoph. Dukas, Bambas, G. Chrysowergis, Ch. Pampukis (Γραμματικὴ τῆς ἀρχαίας ἑλληνικῆς γλώσσης, Athen 1849); eine Metrik schrieb schon Zenobios Pop (Wien 1803), später Const. Oikonomos. Altgriechische Wörterbücher gaben Anthimos Gasis (Wien 1809, 3 Bde., n.A. ebd. 1836, 2 Bde.) u. Skarlatos Byzantios (Athen 1839). Außer Asopios waren in Herausgabe alter Schriftsteller bes. Neoph. Dukas (Aristophanes, Athen 1844), Darwaris u. Manussis thätig. Mit der Archäologie beschäftigten sich namentlich die Deutschen L. Roß (s.d.) u. Heinrich Ulrich. Eine Ἐφημερὶς ἀρχαιολογική wurde seit 1837 im Namen der Archäologischen Gesellschaft von Pittakis begonnen. Letzter bearbeitete auch Αἱ παλαιαὶ Ἀϑῆναι (Athen 1835) u. Alex. Risos Rangawis gab Antiquités helléniques Bd. 1, 2. Abth. 1852–55 heraus. Die Ἀρχαιολογία von Antoniadis (2. Aufl. Athen 1843) ist nach dem Englischen des Irving bearbeitet. Kontogonis bearbeitete die griechische Mythologie (Athen 1837). Einen Beweis dafür, daß die heutigen Griechen einen tieferen Sinn für bildende Kunst haben, gibt die Schrift des Kumanidis, Ποῦ σπεύδει ἡ τήχνη τῶν Ἑλ ήνων τῶν σήμερον (Belgrad 1846). Für das Studium der Lateinischen Sprache gab H. N. Ulrichs, ein Deutscher (Professor der Lateinischen Philologie an der Universität, starb 10. Oct. 1843 zu Athen), in seiner ΓραμματικὴΛατινική (Athen 1835) u. seinem Λεξικὸν Λατινοἑλληνικόν (1843) die ersten brauchbaren Hülfsmittel; ihm folgten Anastasius Pallatidis (Wien 1834) u. Euthymios Kastorchis Λατινικὴ γραμματική, Athen 1847; Auszug, ebd. 1851). Einen Πίναξ ἱστορικο-κρι-τικὸς τῆς λατ. φιλολογίας (Athen 1836) verfaßte I. D. Ligalla. Selbst das Studium ausgestorbener Orientalischer Sprachen fand in Griechenland einzelne Verehrer, was die von Dim. Galanos (s.d.) gefertigten u. von Joannes Dumas mit G. K. Typaldos u. G. Apost. Kosmitos theilweise herausgegebenen Übersetzungen sanskritischer Werke beweisen. Von Arbeiten über neuere Abendländische Sprachen sind zu nennen über Französische Sprache die von A. Samurkasis (Athen 1843, 3. Aufl. 1851) u. Skarlatos Bysantios, über Italienische Sprache M. P. Peridis (Athen 1849). Die Geschichte der Neugriechischen Literatur behandelten Stephan Kanellos (in den Briefen, welche die Grundlage zu Iken's Leukothea bilden), Jakowakis Risos Nerulos im Cours de la littérature grécque moderne (Par. 1827, deutsch von Müller, Mainz 1827). Ein bio-bibliographisches Wörterbuch der Neugriechischen Literatur schrieb Andreas Papadopulos Vretos in seiner 'Ελληνικὴ βιβλιογραφία, 2. Aufl., Athen 1857, 2 Bde. Von Auswärtigen bietet Ellisen's Polyglotte der Europäischen Poesie (Lpz. 1846, 1. Bd.) Beiträge zur Kenntniß der Neugriechischen Literatur.

Quelle: Pierer's Universal-Lexikon, Band 11. Altenburg 1860, S. 818-823. Permalink: http://www.zeno.org/nid/20010510532