Kalevala-Versmaß

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Kalevala-Versmaß

Das im Kalevala verwendete Versmaß fand bei allen Arten der finnischen Volksdichtung sowie bei Sprichwörtern u. Ä. Verwendung. Heute wird es gemeinhin als Kalevala-Versmaß bezeichnet. Ähnliche Versmaße findet man bei den Esten und anderen ostseefinnischen Völkern. Man geht davon aus, dass es über 2000 Jahre alt ist. Seit Veröffentlichung des Kalevala kommt bis heute das Kalevala-Versmaß auch in der finnischen Kunstdichtung zum Einsatz.

Das Kalevala-Versmaß unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von den Versmaßen der indogermanischen Sprachen. Es handelt sich um einen trochäischen Tetrameter (im Deutschen meist vierhebiger Jambus genannt), d.h. jeder Vers besteht aus vier Trochäen, also insgesamt acht Silben. Dabei wird ein Trochäus als Abfolge von Hebung und Senkung aufgefasst. Die Grundregel des Kalevala-Versmaßes besagt Folgendes:

▪ Die Anfangssilbe eines Wortes muss lang sein, wenn sie in der Hebung eines Versfußes steht. Im Beispielvers sind die betreffenden Silben fett gesetzt: Vaka | vanha | Väinä|möinen

▪ In der Senkung muss die Anfangssilbe eines Wortes kurz sein. tietä|jä i|än i|kuinen


Ergänzend gelten vier Zusatzregeln:

▪ Im ersten Versfuß ist die Länge der Silben frei. Er kann auch manchmal (in rund 3% der Verse des Kalevala) aus drei oder selten sogar vier Silben bestehen.

▪ Ein einsilbiges Wort darf nicht am Ende eines Verses vorkommen.

▪ Ein viersilbiges Wort darf nicht in der Mitte eines Verses stehen. (Gilt nicht für zusammengesetzte Wörter.)

▪ Die letzte Silbe eines Verses darf keinen langen Vokal enthalten.


Die Verse teilt man in „normale“ Verse, in denen die Wortbetonungen (die im Finnischen stets auf der Anfangssilbe eines Wortes liegen) und Vershebungen zusammenfallen, und „gebrochene“ Verse, bei denen mindestens eine betonte Silbe in einer Senkung steht. Etwa die Hälfte der Kalevala-Verse sind gebrochen. Dieser Kontrapunkt zwischen Wort- und Versrhythmus ist charakteristisch für das Kalevala-Versmaß. Normale Verse weisen eine Mittelzäsur auf. Lange Wörter tendieren dazu, am Ende des Verses zu stehen.

Bei der Übertragung des Kalevala ins Deutsche oder andere Akzentsprachen wird das auf Längen und Kürzen beruhende System durch ein akzentuierendes Versmaß ersetzt. Dabei besteht ein Trochäus aus einer Folge von einer betonten und einer unbetonten Silbe (Beispiel: Väinä|möinen | alt und | weise || er, der | ew'ge | Zauber|sprecher).

[Aus dem deutschen Wikipedia-Artikel von mir leicht bearbeitet]


Ergänzend aus der englischen Wikipedia:

Metre


Despite the vast geographical distance and customary spheres separating individual singers, The Kalevala, as well as the folk poetry it is based on were always sung in the same metre.

The Kalevala's metre is a form of trochaic tetrameter that is known as the Kalevala metre. The metre is thought to have originated during the Proto-Finnic period. Its syllables fall into three types: strong, weak, and neutral. Its main rules are as follows:

A long syllable (one that contains a long vowel or a diphthong, or ends in a consonant) with a main stress is metrically strong. A strong syllable can only occur in the rising part of the second, third, and fourth foot of a line:

Veli / kulta, / veikko/seni (1:11)

("Dearest friend, and much-loved brother")


A short syllable with a main stress is metrically weak. A weak syllable can only occur in the falling part of these feet:

Miele/ni mi/nun te/kevi (1:1)

("I am driven by my longing")


All syllables without a main stress are metrically neutral. Neutral syllables can occur at any position. The first foot has a freer structure, allowing strong syllables in a falling position and weak syllables in a rising position:

Niit' en/nen i/soni / lauloi (1:37)

("These my father sang aforetime")

vesois/ta ve/tele/miä (1:56)

("Others taken from the saplings")


There are two main types of line:

A normal tetrameter, word-stresses and foot-stresses match, and there is a caesura between the second and third feet:

Veli / kulta, // veikko/seni

A broken tetrameter (Finnish: murrelmasäe) has at least one stressed syllable in a falling position. There is usually no caesura:

Miele/ni mi/nun te/kevi


Traditional poetry in the Kalevala metre uses both types with approximately the same frequency. The alteration of normal and broken tetrameters is a characteristic difference between the Kalevala metre and other forms of trochaic tetrameter.


There are also four additional rules:

In the first foot, the length of syllables is free. It is also possible for the first foot to contain three or even four syllables.

A one-syllable word can not occur at the end of a verse.

A word with four syllables should not stand in the middle of a verse. This also applies to non-compound words.

The last syllable of a verse may not include a long vowel.