Epigramm

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Das Epigramm

[390] Das Epigramm, (a. d. Gr.) heißt: 1) eine Aufschrift über einem Tempel, Begräbniß, an einer Statüe u. s. w. in welchem Sinne uns von den Griechen viele Epigramme übrig sind, die zum Theil Herder verdeutscht hat; 2) ein kurzes, witziges Gedicht, wodurch der Leser anfänglich auf einen Gegenstand aufmerksam gemacht, und zuletzt auf eine unerwartete Art befriedigt wird. Die Erfordernisse dieser Gedichte, die man in unserer Sprache Sinngedichte nennt, sind vorzüglich treffender Witz, Einheit und Interesse des Gegenstandes, und Kürze der Behandlung. Der höchste Grad des Witzes liegt in dem Aufschlusse, den man auch die Pointe nennt, und der in jedem schönen Sinngedichte erst am Ende seyn muß. Unter den Römern ist besonders Martial in dieser Dichtungsart berühmt; auch Engländer und Franzosen zeichneten sich darin vortheilhaft aus. Fast noch höher brachten es aber in derselben die Deutschen: wer kennt nicht unter unsern Landsleuten die vortrefflichen Denkmäler des Witzes, die uns ein Opitz, Logau, und in neuern Zeiten Kleist, Kästner, Lessing und Andere in ihren Werken hinterlassen haben?

Quelle: Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 1. Amsterdam 1809, S. 390.

Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000750166


Zusatz

Eine vorher nicht so bekannte Art von Epigrammen sind die in Distichen (s. dies. Art. i. d. Nachtr.), oder zwei Zeilen (Hexameter [322] und Pentameter), welche besonders durch Schillers Xenien, die in dieser Art abgefaßt sind, merkwürdig geworden. Ihre Kürze und das vorgeschriebene Versmaaß machen sie zu einer schweren Gattung.

Quelle: Brockhaus Conversations-Lexikon Bd. 7. Amsterdam 1809, S. 322-323.

Permalink: http://www.zeno.org/nid/20000790133