Der Dichter und sein Schatten

Aus Lyrikwiki
Wechseln zu: Navigation, Suche




Uta Degner, Elisabetta Mengaldo (Hrsg.): Der Dichter und sein Schatten: Emphatische Intertextualität in der modernen Lyrik. München: Wilhelm Fink, 2013. ISBN 3770556070, 9783770556076. 336 Seiten


Waschzettel

Einfluss-Lust statt Einfluss-Angst: Der Band untersucht das Phänomen emphatischer Intertextualität als ästhetische Antwort und Gegenmodell zum allgegenwärtigen Originalitätsparadigma in der modernen Lyrik.

Entgegen der starken These von der »Einfluss-Angst« (Bloom) und dem poststrukturalistischen Diktum einer subjektlosen und rein in der »Struktur des Geschriebenen selbst« (Derrida) enthaltenen Intertextualität beziehen sich viele Gedichte des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart programmatisch und poetologisch motiviert auf individuelle literarische Vorbilder. Lyrische Fallstudien (u.a. zu Hugo von Hofmannsthal, Robert Walser, Bertolt Brecht, Franz Josef Czernin oder Marie-Thérèse Kerschbaumer) renommierter Literaturwissenschaftler erkunden ebenso wie Dichtergespräche mit zeitgenössischen Autoren unterschiedliche poetische Formen und Implikationen einer solchen emphatischen Intertextualität und beleuchten ihr Verhältnis zur Forderung nach Originalität, die sich in der Moderne als ästhetisches Dogma herausgebildet hat. Close readings fördern Poetiken zu Tage, die sich der scheinbar scharfen Antithese von epigonaler Kontinuität oder innovativem Bruch mit der Tradition verweigern und gerade in dem zur Schau gestellten Bezug auf dichterische Vorbilder ihre poetische Sprengkraft enthüllen.


Inhalt

Referate

UTA DEGNER UND ELISABETTA MENGALDO Einleitung

MARCEL BEYER Das Fremde singen. Pound, Benn, Dylan

WOLFRAM GRODDECK Verzweigte Bezüge. Robert Walser und Paul Verlaine

NORBERT CHRISTIAN WOLF Paare und Passant(inn)en. George, Hofmannsthal und Baudelaire

HANS-JOST FREY Überlieferung und Textbeziehung bei Franz Josef Czernin

DIETER BURDORF Bakchenrasereien. Thomas Kling liest Rudolf Borchardt

ELISABETTA MENGALDO „Die Poesie / ändert nichts. Nichts ist sicher. Also schreib“. Franco Fortini liest Bertolt Brecht

ECKHARD SCHUMACHER „... plan wie eine Sense“ – Über Oberflächenübersetzungen

JOHANN REISSER Die Wiedergänger der Musikbox. Rolf Dieter Brinkmann zwischen untoten Sprachmustern und hybriden Medienmechanismen

MICHAEL GRATZ Die Hölle in Sachsen. Unvorgreifliche Gedanken zur Danterezeption bei mitteldeutschen Dichtern des 20. und 21. Jahrhunderts

UTA DEGNER Anrufung der großen Männer. Zur intertextuellen Emphase von Marie-Thérèse Kerschbaumers Gedichtzyklus Neun Canti auf die irdische Liebe

HANS-JOACHIM HAHN Beeinflusster Fährmann? Zur Lyrik Henryk Bereskas

THERESIA PRAMMER „Das Substrat glüht“. Oswald Egger, im Wegzusammenhang

ARMIN SCHÄFER „Outcast on the Mountains of the Heart“: Rilkes Gedichte in William H. Gass’ Roman The Tunnel


LYRISCHE SCHATTENSPIELE: GESPRÄCHE UND SELBSTAUSSAGEN

URS ALLEMANN Die dunkle Branche des Schneckenflugs. Gespräch mit Wolfram Groddeck

MONIKA RINCK Verhexte Spediteure. Gespräch mit Elisabetta Mengaldo

STEFFEN POPP Fragen an die Boxmaschine. Versuche zu einer kollaborativen Poetik