Anagramme (Bellmer Zürn)

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Über nichts sprachen Unica und Bellmer so gerne als über das Anagrammdichten: »Anagramme sind Worte und Sätze, die durch Umstellen der Buchstaben eines gegebenen Wortes oder Satzes entstanden sind«‚ zitierten sie mahnend und wie aus einem Mund. Als sich ein Pariser Verlag entschloß, eine Auswahl von Unica Zürns Anagrammen in einer Luxusausgabe herauszugeben[1], beschrieb Bellmer daran das Spezifische dieser Dichtungen:

»Es handelt sich hier um eine ganz neue Einheit von Form, Sinn und Gefühlsklima, um Sprachbilder, die nicht erdacht oder erschrieben werden können. Sie treten plötzlich und wirklich in ihre Zusammenhänge hinein, strahlen nach vielen Deutungen hin, schlingen Schleifen nach benachbartem Sinn und Klang, facettenreich wie ein spiegelnder Vielflächner, wie ein neuer Gegenstand ... Der Vorgang bleibt rätselhaft. Orakelnd, zuweilen spektakelnd, tut ein eifriger Kobold hinter dem Ich wohl viel von dem Seinen dazu. «

Ruth Henry: Begegnung mit Unica (Zürn). In: Unica Zürn, Der Mann im Jasmin. Frankfurt/Main, Berlin: Ullstein, 1992, S. 175


[1] Oracle et Spectacle, Paris 1967, Einleitung von Patrick Waldberg und Hans Bellmer. Mit der Originalgravüre von Hans Bellmer und Zeichnungen von Unica Zürn S. 175