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Schumacher absolvierte eine Lehre als Buchhändler in Greifswald und war danach in kulturellen, journalistischen und literarisch-publizistischen Bereichen tätig. Er arbeitete von 1988 bis 1994 als Redakteur und Journalist. Unter anderem schrieb er 1989/90 für die Zeitung „Der Demokrat“. 1989/90 nahm er ein Fernstudium am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“ auf. Schumacher verfasst Lyrik, historische Romane und Kriminalgeschichten. Im „Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller“ bekleidete Hans-Jürgen Schumacher das Amt des Landesvorsitzenden für Mecklenburg-Vorpommern von 2001 bis 2018. Außerdem ist er auf ehrenamtlicher Basis in gesellschaftlichen und kirchlichen Gremien beschäftigt. Seit 2014 ist Schumacher als Autor und redaktioneller Mitarbeiter beim MV-Verlag, Redaktion Vorpommernmagazin, mit Sitz in Greifswald tätig.

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Kurzbiographie Philipp Otto Runge

Am 23. Juli 1777 wurde Philipp Otto Runge in Wolgast geboren. Die Periode seines künstlerischen Schaffens umspannt in etwa 10 Jahre. Seine Kunstanschauungen lassen sich vor allem durch die Hinterlassenen Schriften nachvollziehen, die sein Bruder Daniel, zu dem er ein enges Verhältnis pflegte, 1840/41 veröffentlichte. Der kleine Philipp wurde durch seinen Bruder als „kränkelnd“ beschrieben und kann die Schule kaum bzw. nur sehr unregelmäßig besuchen. Sein Vater war von Beruf Reeder und Kaufmann, der im Kern eher auf eine praktisch ausgerichtete Lebensweise wert legte. Die Inspiration für eine künstlerische Laufbahn kam für P. O. Runge durch verschiedene Künstlerpersönlichkeiten, die er im Laufe seines Lebens kennenlernte. 1795 ging Philipp nach Hamburg, wo sein Bruder Daniel 1793 ein Handelsgeschäft gegründet hatte. Zu den Teilhabern zählten auch Buchhändler, wie Friedrich Christoph Perthes und Johanna Heinrich Besser, die P. O. Runge zum Austausch über poetische und philosophische Schriften anregten. In dieser Zeit in Hamburg kam P. O. Runge auch erstmals mit den Schriften von Vergil, Homer und Ovid in Berührung. Die Lektüre von Die Horen, hrsg. von Schiller und der Propyläen von Goethe, deren Ideen für den künstlerischen Geist dieser Zeit stehen können, waren für seine künstlerischen Auffassungen ebenfalls wegweisend. Einen tiefen Eindruck hinterließ auch der Roman Franz Sternbalds Wanderungen (1798) von Ludwig Tieck. 1798 ermöglicht ein Handelspartner von Daniel Otto den Zeichenunterricht, den er zuerst bei dem Maler Heinrich Joachim Hetrech aufnahm und den er dann bei Gerdt Hardorff, im Zeichnen nach Kupferstichen, fortführte. Dadurch erfuhr er eine weitere Bestätigung in seinem Wunsch danach, Künstler zu werden. Der Familienrat stimmte einer Finanzierung und Aufnahme des Studiums in Kopenhagen zu, das er 1799 aufnahm. An der dortigen Kunstakademie studierten Persönlichkeiten wie Asmus Jacob Carstens und Caspar David Friedrich. Geführt wurde die Akademie von Jens Juel, einem bedeutenden dänischen Porträtmaler und Nicolai Abraham Abilgaard, einem gefeierten Klassizisten. P. O. Runge absolvierte sein Studium in kürzester Zeit und zeigte sich trotz seines Eiferns und Interesses unzufrieden mit den Verhältnissen an der Akademie – die Zeichnungen werden als bloße Kopien nachgefertigt und das Empfinden würde der Detailversessenheit zum Opfer fallen. Daraufhin gründete er zusammen mit Johann Gottfried Eiffe und Conrad Christian Böhme eine Privatakademie. Für seine künstlerische Entwicklung war unter anderem ein Kunstwerk, das Daniel im geschenkt hat, bedeutend. Die Umrissstiche von John Flaxmann zu den Tragödien des Aischlos und zu Homers Ilias empfand P. O. Runge als besonders gelungen, da das Kunstwerk über sich hinaus, wie eine Art Hieroglyphe weise und es sich erst in der von Phantasie, Gefühl und Reflexion getragenen Betrachtung entfaltet (Schlegel). Diese von Schlegel geäußerten Betrachtungen waren konstitutiv für das Werk Runges. Unter diesen Eindrücken fertigte Runge 1801 das Famlienstück an, das er in Auftrag seines Bruders Jakob herstellte. In diesem sah er jedoch immer noch nicht den Geist seiner Kunst verwirklicht. Im selben Jahr widmete er sich auch einer Preisaufgabe aus den von Goethe herausgegebenen Propyläen, die die griechische Mythologie zum Gegenstand hatte. Die Bewertung der Aufgabe erfolgte nicht wie üblich in den Akademien durch eine korrekte und detailgetreue Zeichnung sondern durch Erfindung und Ausdruck, die im Werk besonders zur Geltung kommen sollen. Schließlich sendete Otto seinen Beitrag Der Kampf Achills mit den Flüssen nach Weimar. 1801 beendete P. O. Runge sein Studium in Kopenhagen und führte es an der Dresden fort. Die Dresdner Kunstakademie wurde geführt von Giovanni Batista Casanova und Johann Eleazar Zeissig. Die Akademie geriet wegen ihrer unzeitgemäßen Vorstellungen und Führung in Verruf. Auch Runge hielt eher Distanz – sein Interesse weckte vor allem die bürgerliche Kunstszene. Sein 1802 entstandenes Selbstbildnis mit braunem Kragen entstand unter dem Einfluss von Anton Graff, dem Meister des bürgerlichen Bildnisses. Außerdem schloss Runge Bekanntschaft mit Ferdinand Hartmann, der in Rom Anschluss an den Kreis um Asmus Jakob Carstens und Carl Ludwig Fernow gefunden hatte. Die Kunstanschauungen Carstens sind wiederum durch den Austausch mit Karl Philipp Moritz entstanden, der 1788 die Schrift „Über die bildende Nachahmung des Schönen“, in der er für die Überwindung der Wirkungsästhetik der Aufklärung hin zur Autonomieästhetik einstand. Auch waren in diesem Text Thesen zur Genese des Kunstwerks aus der Seele des Künstlers enthalten, die eine große Nähe zu den Auffassungen von Goethe aufwiesen. Runge entwickelte diese auf seine Weise weiter. Wesentlich für Runge war die Begegnung mit Ludwig Tieck Anfang Dezember 1801, von dem er den Hinweis auf die die Schriften des schlesischen Mystikers Jakob Böhme bekam. Runge zweifelte indessen an Goethes ästhetischen Vorstellungen und konnte so durch die frische Inspiration seine eigene Kunstfassung bilden, die einen Umbruch und Neubeginn markierte. Im Bereich der romantischen Naturphilosophie konnte er sich die Gedankenwelt des Novalis ebenfalls durch Tieck erschließen. Seit dem Sommer 1801 pflegte Runge den Kontakt zu Steffens, der besonders mit der Naturphilosophie Schellings, durch den Anschluss an den Kreis um die Brüder Schlegel, vertraut war, in der von der grundsätzlichen Einheit der Natur und des Geistes ausgegangen wird. Ludwig Berger war 1801 in Dresden anzutreffen, der Runge Anregungen zum Verhältnis von Musik und Malerei gab. Die Liebe zu Pauline Bassenge, der er erstmals im Sommer 1801 begegnete, prägten seine Vorstellungen von der Liebe, die seither eng mit seinen Kunstauffassungen verflochten waren. Im April 1801 erfolgte die Verlobung und 1804 wurde die Hochzeit begangen mit der gleichzeitigen Niederlassung in Hamburg. Mit der Unterstützung seines Bruders, Daniel, konnte Runge sich nun ausschließlich auf sein Künstlerleben fokussieren. In den folgenden Jahren spitzte sich die politische Situation mit dem Koalitionskrieg gegen Napoleon immer weiter zu, unter anderem litt das Handelsgeschäft Daniel Runges enorm darunter. Am 19. November 1806 wurde Hamburg durch französische Truppen besetzt. Napoleon verkündete in diesem Zuge per Berliner Dekret die Kontinentalsperre, die den endgültigen Ruin für das Handelsgeschäft bedeutete. P. O. Runge hatte nun wenig Zeit für künstlerische Arbeiten. Seine im Jahre 1809 begonnene Arbeit zu „Der Morgen“, die die Serie der „Vier Zeiten“ fortsetzen sollte, blieb unvollendet. Im April 1810 zeigte Otto erste Symptome seines Lungenleidens; sein Zustand verschlechterte sich rapide. An Brentano schrieb er kurz vor seinem Tod, dass es ihm nur vergönnt gewesen sei, sich ein paar Jahre vollkommen seiner Kunst hinzugeben. Er habe vieles angefangen, aber nur wenig vollenden können. Am 2. Dezember 1810 starb Philipp Otto Runge.


Vgl.: Frank Büttner, Philipp Otto Runge. München. C.H. Beck Verlag 2010. S. 6-19.[[category: ]]