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	<title>Auf unverständige Poeten (Neukirch) - Versionsgeschichte</title>
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	<updated>2026-05-01T16:15:12Z</updated>
	<subtitle>Versionsgeschichte dieser Seite in Lyrikwiki</subtitle>
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		<id>https://lyrikwiki.de/mediawiki/index.php?title=Auf_unverst%C3%A4ndige_Poeten_(Neukirch)&amp;diff=29839&amp;oldid=prev</id>
		<title>Wikiop: Die Seite wurde neu angelegt: „category: Neukirch, Benjamin  Benjamin Neukirch   (* 27. März 1665 in Rydzyna (dt.: Reisen) in Schlesien; † 15. August 1729 in Ansbach)   &#039;&#039;&#039;Auf unverst…“</title>
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		<updated>2022-08-15T00:30:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Die Seite wurde neu angelegt: „&lt;a href=&quot;/mediawiki/index.php/Kategorie:Neukirch,_Benjamin&quot; title=&quot;Kategorie:Neukirch, Benjamin&quot;&gt;category: Neukirch, Benjamin&lt;/a&gt;  Benjamin Neukirch   (* 27. März 1665 in Rydzyna (dt.: Reisen) in Schlesien; † 15. August 1729 in Ansbach)   &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Auf unverst…“&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;&lt;b&gt;Neue Seite&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;&lt;div&gt;[[category: Neukirch, Benjamin]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Benjamin Neukirch &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(* 27. März 1665 in Rydzyna (dt.: Reisen) in Schlesien; † 15. August 1729 in Ansbach)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;Auf unverständige Poeten&amp;#039;&amp;#039;&amp;#039;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 [478] Laß doch, Lysander, ab, mit Reimen dich zu plagen&lt;br /&gt;
 Und einer Bettelkunst halb rasend nachzujagen,&lt;br /&gt;
 Die zwar die Phantasei durch süße Träume rührt,&lt;br /&gt;
 Dich aber auf den Weg der Hungerwiesen führt[479]&lt;br /&gt;
 Und endlich, wo du dich läßt ihre Grillen treiben,&lt;br /&gt;
 Mit Meistersängern wird in eine Rolle schreiben.&lt;br /&gt;
 Die eben ist das Gift, das wie die Missethat&lt;br /&gt;
 Gleich mit der Muttermilch mir ins Geblüte trat.&lt;br /&gt;
 Wie glücklich wär&amp;#039; ich doch, wenn mich zu rechter Stunden&lt;br /&gt;
 Ein kluger Arzt davon durch Kräutersaft entbunden&lt;br /&gt;
 Und alles, was ich nur von Versen angeblickt,&lt;br /&gt;
 Durch hebend Antimon hätt&amp;#039; in die Luft geschickt;&lt;br /&gt;
 So dürft&amp;#039; ich nicht wie jetzt in Kummerwinkeln sitzen&lt;br /&gt;
 Und bei geborgter Lust von langen Sorgen schwitzen,&lt;br /&gt;
 So hätt&amp;#039; ich auch vielleicht den Wuchergriff erlernt,&lt;br /&gt;
 Wie man durch Ränke sich von der Vernunft entfernt,&lt;br /&gt;
 Den Trieb der Redlichkeit mit Silberzäumen lenket,&lt;br /&gt;
 Den Geist der Gottesfurcht in klugen Schlaf versenket,&lt;br /&gt;
 Ein reiches Lasterweib zu seinem Willen beugt,&lt;br /&gt;
 Durch höflichen Betrug auf Ehrenbänke steigt&lt;br /&gt;
 Und endlich, wenn die Kraft der Jugend uns verlassen,&lt;br /&gt;
 Bei voller Tafel kann von fremdem Gute prassen.&lt;br /&gt;
 So hab&amp;#039; ich manchen Tag und manche Nacht verreimt&lt;br /&gt;
 Und oft ein großes Lied von Zwergen hergeträumt,&lt;br /&gt;
 Verliebten ihre Lust in Zucker zugemessen,&lt;br /&gt;
 Betrüger reich gemacht, mich aber gar vergessen,&lt;br /&gt;
 Und ob mich endlich gleich mit der verjährten Zeit&lt;br /&gt;
 Ein kurzer Sonnenblick bei Hofe noch erfreut&lt;br /&gt;
 Und Preußens Salomo, den ich mit Recht gepriesen,&lt;br /&gt;
 Mir zu der Ehrenburg den Vorhof angewiesen,&lt;br /&gt;
 Ward doch durch seinen Tod, der alles umgekehrt,&lt;br /&gt;
 Mein Glück und auch zugleich mein ganzer Ruhm verzehrt.&lt;br /&gt;
 Nun lacht die Wucherschar bei ihren Judengriffen,&lt;br /&gt;
 Daß ich der Tugend Lob auf Hoffnung hergepfiffen,&lt;br /&gt;
 Die Zungendrescherei den Musen nachgesetzt,&lt;br /&gt;
 Und wahre Weisheit mehr als Geld und Gut geschätzt,&lt;br /&gt;
 Und daß ich, da der Hof zum Laufen mich gezwungen,&lt;br /&gt;
 Nicht noch zu rechter Zeit in Schulenstaub gesprungen,&lt;br /&gt;
 Die matte Dürftigkeit in Mäntel eingehüllt,&lt;br /&gt;
 Mit leerer Wissenschaft die Jugend angefüllt,[480]&lt;br /&gt;
 Die Kinder gegen Lohn den Toten vorgetrieben&lt;br /&gt;
 Und wöchentlich ein Lied für Thaler hingeschrieben.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 Hiebei verbleibt es nicht. Die schwärmende Vernunft&lt;br /&gt;
 Der von der Hungersucht bethörten Dichterzunft,&lt;br /&gt;
 Die sich durch falsche Kunst auf den Parnaß geschlichen,&lt;br /&gt;
 Von der gesetzten Bahn der Alten abgewichen,&lt;br /&gt;
 Mit frecher Hurtigkeit gefüllte Bogen schmiert&lt;br /&gt;
 Und alle Messen fast ein totes Werk gebiert,&lt;br /&gt;
 Wird so verwegen schon, daß sie Gesetze stellet,&lt;br /&gt;
 Der Griechen Zärtlichkeit das Todesurteil fället,&lt;br /&gt;
 Des Maro klugen Witz in Kinderklassen weist,&lt;br /&gt;
 Horazens Dichterbuch verrauchte Grillen heißt&lt;br /&gt;
 Und alles, was sich nur nach alter Kraft beweget,&lt;br /&gt;
 Auf lüsterndem Papier mit Tinte niederschläget.&lt;br /&gt;
 Da nun das Wespenheer von Tag zu Tage wächst&lt;br /&gt;
 Und jeder Knabe schon nach Narrenwasser lechzt,&lt;br /&gt;
 Was Wunder ist es denn, wenn Ruhm und Ehre stirbet,&lt;br /&gt;
 Die Kunst zu Grabe geht, die Tugend gar verdirbet?&lt;br /&gt;
 Es ist nicht mehr die Zeit, da noch Augustens Hand&lt;br /&gt;
 Die Nebenstunden selbst zum Dichten angewandt,&lt;br /&gt;
 Da Kaiser und Poet an einer Tafel saßen&lt;br /&gt;
 Und beide doch dabei nicht ihre Pflicht vergaßen.&lt;br /&gt;
 Die Tage sind vorbei, da Barbarossens Hof&lt;br /&gt;
 Bei vollen Gläsern noch nicht den Verstand versoff,&lt;br /&gt;
 Da kluge Damen noch auf Tugendlieder hörten&lt;br /&gt;
 Und halbe Reimer oft mit großen Preisen ehrten.&lt;br /&gt;
 Wir sind nicht zu Paris, wo man nicht Tag aus Nacht&lt;br /&gt;
 Und gleich Abgötterei aus jedem Wurme macht,&lt;br /&gt;
 Wo man, was Scudéry, was Chapelain gewesen,&lt;br /&gt;
 Ohn&amp;#039; alle Farben kann in Stachelschriften lesen.&lt;br /&gt;
 Viel Große lieben wohl noch Alexanders Schwert,&lt;br /&gt;
 Nicht aber auch die Kost, die seinen Geist ernährt;&lt;br /&gt;
 Sie jauchzen wohl mit ihm, wenn ihre Trommel klinget,&lt;br /&gt;
 Nicht aber, wenn Homer von weisen Sitten singet.&lt;br /&gt;
 Das Frauenzimmer haßt, was ihr Gewissen schreckt&lt;br /&gt;
 Und das Geblüte nicht zu steter Lust erweckt,[481]&lt;br /&gt;
 Und wer den Thoren jetzt die Wahrheit wollte sagen,&lt;br /&gt;
 Der müßte jeden vor um seine Meinung fragen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 So viel als Reimer sind, so viel und mancherlei&lt;br /&gt;
 Wirkt in der Poesie nun auch die Phantasei.&lt;br /&gt;
 Ein halb mit Pickelscherz vermengtes Operettchen,&lt;br /&gt;
 Ein stinkender Roman vom rasenden Chrysettchen,&lt;br /&gt;
 Ein geiles Myrtenlied und ein nach dem Adon&lt;br /&gt;
 Des üppigen Marin erbauter Venusthron,&lt;br /&gt;
 Der der Geliebten Schoß bis auf den Grund entdecket&lt;br /&gt;
 Und Büsch&amp;#039; und Brunnen draus und Vogelnester hecket,&lt;br /&gt;
 Ein lügenvolles Lob, das uns ins Angesicht&lt;br /&gt;
 Den lastervollen Ruf der Toten widerspricht,&lt;br /&gt;
 Ein rohes Trauerspiel, in dem die Regeln fehlen&lt;br /&gt;
 Und so viel Schnitzer fast als Silben sind zu zählen,&lt;br /&gt;
 Ein Brief, den Adam schon der Eva zugesandt,&lt;br /&gt;
 Da beide dazumal doch keine Schrift gekannt,&lt;br /&gt;
 Ein kreißendes Sonett, das mit dem Tode ringet&lt;br /&gt;
 Und der Gedanken Rad so wie die Reime zwinget,&lt;br /&gt;
 Und ein nach Pöbelart gepriesner Buhlerblick&lt;br /&gt;
 Ist oft bei dieser Zeit das größte Meisterstück.&lt;br /&gt;
 So lang ich meinen Vers nach gleicher Art gewogen,&lt;br /&gt;
 Dem Bilde der Natur die Schminke vorgezogen,&lt;br /&gt;
 Der Reime dürren Leib mit Purpur ausgeschmückt&lt;br /&gt;
 Und abgeborgte Kraft den Wörtern angeflickt,&lt;br /&gt;
 So war ich auch ein Mann von hohen Dichtergaben;&lt;br /&gt;
 Allein sobald ich nur der Spure nachgegraben,&lt;br /&gt;
 Auf der man zur Vernunft beschämt zurücke kreucht&lt;br /&gt;
 Und endlich nach und nach nur den Parnaß erreicht,&lt;br /&gt;
 So ist es aus mit mir, so kommt von seinem Suschen&lt;br /&gt;
 Ein mit Ebräerwitz gespicktes Philomuschen,&lt;br /&gt;
 Klaubt ihm ein Jugendwort in meinen Schriften aus&lt;br /&gt;
 Und untergräbt damit mein ganzes Ehrenhaus.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 Was soll ich Ärmster thun? Soll ich noch einmal rasen&lt;br /&gt;
 Und durch mein Haberrohr zum Federsturme blasen?[482]&lt;br /&gt;
 Nein, nein, Lysander, nein! Ich will zurücke stehn&lt;br /&gt;
 Und der erlauchten Schar nur aus den Augen gehn,&lt;br /&gt;
 Sonst wirft der Schwindelgeist der klugen Weisianer&lt;br /&gt;
 Mich endlich auf die Bank der reimenden Quintaner&lt;br /&gt;
 Und jagt mich, ob ich gleich halb notenmäßig bin,&lt;br /&gt;
 Ins re, mi, fa, sol, la der Hübneristen hin,&lt;br /&gt;
 Die sich doch ohnedem an Odermusen reiben,&lt;br /&gt;
 Sudetenzungen nur zu Mamelucken schreiben&lt;br /&gt;
 Und alles, was durch Kunst der Pleiße nicht geschehn,&lt;br /&gt;
 Für Eigenliebe kaum mit halben Augen sehn.&lt;br /&gt;
 Zwar weich&amp;#039; ich darum nicht, als ob ich, wenn es brennte,&lt;br /&gt;
 Nicht auch ein Jammerlied im Tanze drechseln könnte,&lt;br /&gt;
 Und ob der Trippeltakt der leichten Reimerei&lt;br /&gt;
 In Dedekindens Schoß allein zu Hause sei.&lt;br /&gt;
 Mir ist ja wohl bekannt, wie man den Schädel seifen&lt;br /&gt;
 Und solche Spötter kann mit Lauge wiedertäufen,&lt;br /&gt;
 Wie mancher ohne Bart in Phöbus&amp;#039; Auen springt,&lt;br /&gt;
 Und wie ein kollernd Pferd sich auf den Pindus schwingt;&lt;br /&gt;
 Allein ich hab&amp;#039; einmal die Thorheit aufgegeben.&lt;br /&gt;
 Es reime, wer da will; ich will in Friede leben.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 Hast du, Lysander, Witz, so folge meinem Rat:&lt;br /&gt;
 Der ist der klügste Mann, der nichts geschrieben hat.&lt;br /&gt;
 Laß einen Kirchenschwan Bär, Schaf und Rinder reimen,&lt;br /&gt;
 Laß einen Bavius von Heldenthaten träumen,&lt;br /&gt;
 Vertrag im Madrigal hirschfeldischen Verstand,&lt;br /&gt;
 Erheb den Schäferton von Kärnth und Bayerland,&lt;br /&gt;
 Und wenn ein Nordenhals mit rauher Kehle knastert,&lt;br /&gt;
 So sprich, daß er den Weg zum Musenberge pflastert,&lt;br /&gt;
 Und daß er doch dabei mehr süße Lieblichkeit&lt;br /&gt;
 Als Hofmannswaldau kaum und Opitz ausgestreut.[483]&lt;br /&gt;
 Gieb alles willig zu und laß die blinden Schützen&lt;br /&gt;
 Um ihren Lorbeerkranz mit eignem Lobe blitzen;&lt;br /&gt;
 Inzwischen tröste dich bei deiner klugen Pein&lt;br /&gt;
 Mit griechischer Vernunft und sittlichem Latein&lt;br /&gt;
 Und trachte den Verstand der Alten zu ergründen,&lt;br /&gt;
 So wirst du, was du suchst und was uns mangelt, finden.&lt;br /&gt;
 Denn geh und werde klug und setze dich zur Ruh&amp;#039;&lt;br /&gt;
 Und sieh der Kinderlust mit Männeraugen zu,&lt;br /&gt;
 So hast du, wenn du willst, bei täglich neuen Sachen&lt;br /&gt;
 Papiere zum Toback und Zeug genug zum Lachen.&lt;br /&gt;
 Doch wo das Dichtersalz dich in den Adern jückt&lt;br /&gt;
 Und dich ein böser Geist aus deinem Zirkel rückt,&lt;br /&gt;
 Der dich im Sprunge will zum Flötenritter schlagen,&lt;br /&gt;
 So fang es endlich an mit halber Furcht zu wagen,&lt;br /&gt;
 Versammle, wo du kannst, der Jugend alten Graus&lt;br /&gt;
 Und pflanze Stück auf Stück und mach&amp;#039; ein Buch daraus;&lt;br /&gt;
 Denn stirb, so glaubt die Welt, daß mehr mit dir verdorben,&lt;br /&gt;
 Als am Homer Athen, Rom am Virgil gestorben.&lt;br /&gt;
 Schau, dieses ist der Weg, der dir bisher gefehlt&lt;br /&gt;
 Und dennoch deinen Geist auch nicht zu Tode quält.&lt;br /&gt;
 Schieb andern Müh&amp;#039; und Schweiß in ihren Jammerbusen;&lt;br /&gt;
 Ein ausgeführtes Werk ist nur für Bettelmusen,&lt;br /&gt;
 Und der hat wahrlich mehr als mancher Fürst gethan,&lt;br /&gt;
 Der seinen Unverstand mit Kunst verbergen kann.[484] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle:&lt;br /&gt;
Deutsche Nationalliteratur, Band 29, Stuttgart [o.J.], S. 479-485.&lt;br /&gt;
Permalink:&lt;br /&gt;
http://www.zeno.org/nid/20005445078&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Wikiop</name></author>
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